Die Wut sitzt in der Leber. Nicht in der Lunge, die hängt als leuchtende Tuba von der Decke. Die Leber als eingegrenztes aufgeklebtes Dreieck liegt auf dem Bühnenboden, und was es mit ihr auf sich hat, wird von zwei Wissenschafterinnen erklärt. Aber erst, nachdem sie ihre Mission darlegen: die wissenschaftliche Definition von „Prinzessin“.
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Ein undefinierbares Wesen betritt langsam die Bühne, versucht kurz die Welt rundum zu erkunden, um alsbald vordringlich sich selbst, dieses formlose Gebilde in Grau, zu bemerken und es Schritt um Schritt zu begreifen. Ein Wesen, das sich überraschend als Zweiheit entpuppt und sich als solche im Laufe des Plots in all seinen Gegensätzlichkeiten als ebenso bereichernde wie bedrohliche Buntheit entdeckt.
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Sein Österreich-Debüt gab das Hessische Staatsballett im Festspielhaus St. Pölten mit einem dreiteiligen Abend, der zwei in diesen Breiten nahezu unbekannte Choreografenduos vorstellte: David Raymond und Tiffany Tregarthen aus Kanada sowie Imre und Marne van Opstal aus den Niederlanden. Dazwischen stand ein Duo von Marco Goecke, das erneut die außergewöhnliche Einzigartigkeit dieses Choreografen ins Rampenlicht rückte.
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"Visionary Dances“ nennt Ballettchefin Alessandra Ferri den neuen Abend des Wiener Staatsballetts. Die vielseitigen Tänzer*innen des Wiener Staatsballetts bringen diese Visionen allesamt zum Strahlen, agieren bestens als Ensemble, in dem Hierarchien verschwimmen, um eine kollektive Erfahrung zu generieren. Mit „Yugen“ beweist Wayne McGregor erneut, dass er im zeitgenössischen choreografischen Schaffen eine Klasse für sich ist. Nicht weniger visionär wirkt Twyla Tharps „The Upper Room“, ein Stück, das vor 40 Jahren entstand und gut gealtert ist. Justin Pecks „Heatscape“ entpuppt sich als Fortschreibung des American Ballet – allerdings bei hohem Tempo.
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„Mein erster Nussknacker“ nennt Eno Peci seine Version des Tschaikowski-Ballettklassikers. Dieses „erste Mal“ trifft auf den Choreografen ebenso wie auf die Tänzer*innen – Studierende der Ballettakademie und Mitglieder der Jugendcompagnie der Wiener Staatsoper – als auch auf einen Großteil des jungen Publikums im NEST zu. In dieser charmanten Interpretation betreten sie gemeinsam eine Traumwelt in Drosselmeyers Nuss- und Schokoladenladen.
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Drei Tage vor dem Uraufführungstermin am Bolschoi abgesagt (wegen des unbotmäßigen Regisseurs, sagen die einen, weil es zu schwul war, die anderen, weil es nicht fertig war, die dritten), Monate später, im Dezember 2017, doch zur Premiere gebracht (während der Regisseur in staatlich verordnetem Hausarrest saß), 2023 abgesetzt aufgrund des Verbots von „Propaganda nicht traditioneller Werte“: In der Geschichte des „Nurejew“-Projekts des Regisseurs Kirill Serebrennikov spiegelt sich im Kleinen die Menschenverachtung, mit der Putins Diktatur die russische Gesellschaft vergiftet. Jetzt ist „Nurejew“ in Berlin zu sehen, und das ist gut so. Aber ist auch gut, was da zu sehen ist?
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Fünf glitzergraue Figuren vor einer großen Leinwand, auf der sich kleinste Lebewesen unter Mikroskop lässig hin- und herbewegen. Die glitzergrauen Figuren ahmen die Bewegungen nach, übernehmen sie und kommen bald selbst ins lässige Hin- und Herbewegen. Eine Stimme im Hintergrund beginnt mit der Erklärung, und alles wird verständlich. Denn was sich da bewegt, sind Zilien, so etwas wie kleinste feinste Flimmerhärchen auf der Zelloberfläche, die das Leben in Bewegung halten.