Möglichkeiten eines ungewöhnlichen Zusammenspiels: Das ist es, was spielerisch aufbereitet in dieser einstündigen Performance zu erleben ist, präsentiert von Fenfire, einer Compagnie, die seit mehr als 20 Jahren (tanz.at berichtete im November 2022 und März 2025) in bislang 43 Ländern mit ihrer Kunst zeitgenössischer Zirkusformen immer wieder überrascht.
Ihr Schwerpunkt liegt seit jeher im Bereich der Objektmanipulation. Dieses Mal gilt die Aufmerksamkeit der beiden Begründer dieses Kulturvereins, Sebastian Beger und Christiane Hapt gemeinsam mit Anna Weszelovzky, der künstlerischen Verbindung von Kostüm, Körper und Objekt. Und so wird das Publikum auch vom Klappern einer Nähmaschine – deren Aufgabe bekanntlich das Zusammenfügen von Materialien ist - begrüßt und einige Zeit davon akustisch begleitet. Auch erst zusammengebaut wird zum Einstieg in aller Ruhe und mit Selbstverständlichkeit außerdem und konsequenterweise das Bühnenbild; bestehend aus einem Rohrgestänge, das letztlich zur Drapierung der erschaffenen Stangen-Skulpturen dient. Die Aufmerksamkeit des Publikums wird somit vom ersten Augenblick an heraus- und aufgefordert, sich ganz unspektakulär auf Wesentliches, das oft im Hintergrund bleibt, zu konzentrieren. Sich auf das Wichtige im Kleinen, Feinen zu besinnen. 
Dass dabei und bei dem sich langsam entwickelnden Geschehen der technisch immer anspruchsvolleren Manipulation der Objekte, der Stäbe, höchste Präzision erforderlich ist, wird immer deutlicher. Aus relativ einfachem Balancieren einzelner Stäbe wird alsbald ein immer umfassenderes, variationsreiches ‚Tanzen‘ mit diesen. Die Einbeziehung der Kostüme der Künstler wird dabei immer markanter: Waren es vorerst nur Vermutungen des Rezipienten, so wird diesem bald immer klarer, dass die ungewöhnliche Manipulationstechnik der drei KünstlerInnen sowie deren Umsetzungs-Möglichkeiten einen hilfreichen Partner in einer besonderen Eigenschaft der Kostüme haben – mehr sei hier nicht verraten. Aber sehr wohl berichtet, dass diese Erkenntnis der Faszination der gezeigten Jonglagen keinen Abbruch tut. Und dass dies auch für eine geradezu kindliche Freude am kurzzeitigen Mitspielen-Dürfen gilt.
Der ‚Kreistanz‘, wenn also die wirbelnden Stäbe zwischen den Jongleuren und um ihre Körper ihre Runden ziehen, ist ein Höhepunkt dieser Vorführung. Sie gipfelt vielleicht im Wahrnehmen und Erkennen des unmittelbaren, professionellen Reagierens dieser Akteure: auf ‚Fehler‘ und dem damit verbundenen, charmanten Umgehen von Unbeabsichtigtem: Wenn etwa ein Stab sein Ziel nicht erreicht, nicht gegriffen werden kann und die intendierte Bewegung aber dennoch harmonisch und ‚leer‘ ausgeführt wird.
Welch wohltuende Alternative zum oftmals im Übermaß an Spektakulärem Gebotenem: diese kreativ-experimentelle, humorvolle Auseinandersetzung mit bislang kaum Erprobtem; dieses Ineinandergreifen-Lassen von bildender und darstellender Kunst.
Fenfire: „Stick“, Premiere am 4.März 2026, Kristallwerk Graz
