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Zilien3Fünf glitzergraue Figuren vor einer großen Leinwand, auf der sich kleinste Lebewesen unter Mikroskop lässig hin- und herbewegen. Die glitzergrauen Figuren ahmen die Bewegungen nach, übernehmen sie und kommen bald selbst ins lässige Hin- und Herbewegen.  Eine Stimme im Hintergrund beginnt mit der Erklärung, und alles wird verständlich. Denn was sich da bewegt, sind Zilien, so etwas wie kleinste feinste Flimmerhärchen auf der Zelloberfläche, die das Leben in Bewegung halten. 

Es sind mikroskopisch kleine, rhythmisch schwingende Strukturen, die z.B. unserer Lunge beistehen, Schleim nach außen zu transportieren und zu entsorgen (den wir dann vielleicht aushusten oder schlucken, je nachdem…), die die Bewegung der Flüssigkeit in unserem Gehirn steuern, die aber auch kleinste Seesternchenbabies durchs Wasser flitzen lassen. Sie arbeiten gemeinsam, in einem geheimnisvollen Rhythmus. Und sie sind überall, diese Zilien!Zilien1

Diese zu ergründen ist eine der Aufgaben der Biologin Doris Roth. Sie forscht in München hauptsächlich über unser Atemorgan, die Lunge. Sie schreibt gerade an ihrer Doktorarbeit und hatte mit ihrer Schwester Ilona Roth, einer Tänzerin, vor einiger Zeit ein interessantes Gespräch am Küchentisch. Haben Zilien und Tanz vielleicht etwas gemeinsam? Und wenn, dann was? Und wie könnte das auf einer Bühne dargestellt werden? Sie begannen gemeinsam zu forschen. Der Zirkus des Wissens in Linz wurde Kooperationspartner der Produktion. 

Zilien2Ein wissenschaftlicher Vortrag über Zilien stand am Anfang, fünf Tänzer:innen begannen dazu zu improvisieren und Bewegungsmuster zu erforschen. Wissenschaftliche Erkenntnisse über das Treiben der Zilien werden dabei tänzerisch umgesetzt. Gleichzeitig ist Forscherin Doris Roth Teil der Performance, erklärt die Zusammenhänge und bringt auch selbst Bewegung auf die Bühne.

Tanz und Zilien haben viel gemeinsam, Doris Roth erklärt dies anhand der Bewegungen der Tänzer:innen: die Richtung einer Bewegung kann nach vorne oder hinten, nach unten oder oben ausstrahlen. Die Länge einer Bewegung bestimmt deren Größe und Ausmaß. Die Dichte einer Bewegung bedingt Enge oder Weite des Körpers. Die Frequenz wiederum spiegelt den Rhythmus, und die Amplitude einer Bewegung erwirkt die Wellenbewegung. Alle Bewegungen gemeinsam ergeben die Choreographie, sowohl des Tanzes als auch der Zilien. So erklärt tanzen uns die silberglitzernden Körper der Tänzer:innen den Zilientanz, gleitend, hüpfend, zitternd, schwenkend, fließend, wellend.Zilien3

Was passiert, wenn diese Ordnung gestört ist, wenn z.B. eine Krankheit wie Asthma die Lungenfunktion stört? Dann arbeiten die Zilien nicht mehr miteinander, der Rhythmus gerät durcheinander. Auch das tanzen uns die glitzergrauen Figuren. Und die mannigfachen Videoeinspielungen lebendiger Mikroorganismen zeigen gleichzeitig die wundervolle Welt unter dem Mikroskop. 

Zilien4Doris Roth als begleitende Wissenschaftsvermittlerin kommt mit einem überdimensionalen Mikroskopen-Objektträger auf die Bühne, der an der Leinwand eine unendliche Spiegelung bewirkt. Die Weitergabe der Bewegungen der Zilien untereinander, dieses Mysterium der Natur, wird dadurch sichtbar, erlebbar. 

Am Ende wird das Publikum auf die Bühne geholt, wirft mit seinen gleichen und ähnlichen Bewegungen Wellen auf die Leinwand und wird selbst zu einem großen Organismus.

Zirkus des Wissens + Transitheart productions: „Tanz der Zilien – wenn Wissenschaft in Bewegung gerät“. Gastspiel am 22. März 2026 im Dschungel Wien