dschungeltwof2Ein tolles Kuddelmuddel. TWOF2 + dascollectiv erforschen spielend und tanzend, woher die Geschichten kommen, wie sie beginnen und wo sie enden. Mit dem fantasievollen Stück „Stories – wo alles beginnt“ sprechen Maria Spanring und Giovanni Jussi (TWOF2) mit Rotraud Kern Volkschulkinder an. Obwohl gar keine Geschichte erzählt wird, genießen die Kinder die abwechslungsreiche Stunde mit wachem Geist und freudiger Mitarbeit.

Mit „Harald, das wilde Schaf“ haben Spanring und Jussi die Herzen der Kinder (und Erwachsenen) im Sturm erobert. Für die ganz auf Gefühle aufgebaute Geschichte (es war eine Geschichte, auch wenn die Darbietung kein abschließendes Ende, doch sehr wohl ein Finale, bot) wurde das Theater-/ Tanzduo im Vorjahr auf nationaler Ebene zurecht für den STELLA Darstellender.Kunst.Preis, Kategorie „herausragende Produktion“ nominiert.

Diesmal wird nicht geschmust und zornig aufgestampft, sondern nach einer Geschichte gesucht und davon liegen viele einfach auf der (Bühnen-) Straße. Aber wie macht man aus einem Schwein im Wald, Mit im Dunklen leuchtenden Monster-Brillen gehen drei SpurenleserInnen auf die Jagd. Manchmal wird gesprochen, dann wieder nur getanzt und geturnt. Doch überall - im oder unter und auf dem alten Kühlschrak, im glühenden Wasserkocher oder schlicht in gegensätzlichen Begriffen (groß / klein, Pat / Patachon) – finden sich Geschichten: komische und spannende, alte und neue, helle und dunkle, absurde und auch verwirrende. „Das war ein einziges Kuddelmuddel“ sagt Vincent am Ende mit leuchtenden Augen und die kleinen Damen, Alna, Alina, Xenia, Roxane und Tini (sie wollen unbedingt genannt werden) kontern unisono „Aber es war toll.“

Die Geschichten die da aufgesammelt wurden, werden nie ganz erzählt, es gibt Anfänge und Schlusspointen und auch das Mittendrin. Mit elektronischen Geräuschen, Körperarbeit und Text (die Kinder haben keine Scheu dien Dialog aufzunehmen) werden bildhafte Angebote gegeben, die sich in den Köpfen der Zuschauerinnen zu Geschichten formen können. Nicht jede(r) sieht dieselbe, wenn drei im (unsichtbaren) Boot über gefährliche Meere rudern oder ein Mikrofon zum Baum, Lautsprecher zum Schwarzen Loch und der Kabelsalat zum Wald wird. Allerdings wird in diesem exemplarischen Stück, das ohne Zeigefinger auskommt, ein wenig zu viel mit Objekten und Elektronik gearbeitet. Das Umpolen und Aktivieren der Kontakte, das Schleppen der Kabel und Einschalten der Lichter braucht Zeit, die besser genutzt werden könnte. Gecoacht wurden die drei DarstellerInnen vom Tänzer / Choreografen Georg Blaschke, der TWOF2 auch schon bei der Arbeit am „wilden Schaf“ beraten hat.

Die jungen Zuschauer hatten nichts einzuwenden gegen den technischen Aufwand, im Gegenteil sie interessierten sich ganz besonders dafür, während die Zuschauerinnen sich mitleidsvoll erkundigten, ob dem Giovanni „das nicht weh tut“ wenn die Tänzerin auf ihm herumtrampelt. „Ja“, sagt er „heute schon ein wenig.“

So lebendig können Geschichten anfangen. Oder wars schon das Ende?

PS: Die zweite Hälfte von TWOF2 ist dascollectiv, ein „Verein zur Förderung interkulturellen Austauschs“, eine Plattform für interkulturellen und transnationalen Austausch. Die Mitglieder kommen aus unterschiedlichen künstlerischen Richtungen und verschiedenen Ländern.

TWOF2 + dascollectiv: „Stories – wo alles beginnt“, ab 6 J., Dschungel, 14. Mai 2012
Nächste Vorstellung im Rahmen des Festivals "http://www.dschungelwien.at/programm/produktionen/345/", 23, Juni, 17.30 Uhr.